Erhörung oder: Zu Risiken und Nebenwirkungen des Wünschens

Philosophischer Exkurs in die Lyrik: Erhörung.

Zufällig habe ich gestern von folgendem Gedicht gehört. Koinzidenz? Denn ich
denke gerade viel über das „Resonanzprinzip“ nach. Also Obacht bei dem, was du dir wünscht. Es könnte wahr werden.

Erhörung

Die Rose sieht vorbei den Falter fliegen,
    Sie selbst ein Schmetterling, nur festgebannt;
    Da klagt sie: „Ach, wer löst mein fesselnd Band?
    O könnt‘ auch ich in Lüften frei mich wiegen!“

Der Falter sieht die Ros‘ ins Laub sich schmiegen,
    Er eine Blume selbst, die Flügel fand;
    Da klagt er: „Hätt‘ ich doch so sichern Stand!
    O könnt‘ ich so an fester Stätte liegen!“

Mit sonn’gem Lächeln hört der Lenz ihr Klagen,
    Erhörung bringt nur der, vor dem sie zagen,
    Der rauhe Herbst mit Frost und wildem Wetter;

Er gibt ihm sichre Statt, löst ihr die Kette.
    Frei stiegen hin die welken Rosenblätter,
    Der Falter liegt erstarrt an fester Stätte.

aus: Anastasius Grün: In der Veranda – Kapitel 36

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